Liebe LeserInnen,
februar 2012. Wie
immer erlauben wir uns im ersten Heft des neuen Jahres einen kleinen
Blick zurück. Da wäre zunächst der punktgenau am 24. Dezember aufgetauchte
Stern von Bethlehem, der mit wundervoll leuchtendem Schweif quer
über Deutschland hinwegzog. Ich mache es kurz: Das Himmelsphänomen
entpuppte sich als Weltraumschrott. Die dritte Stufe einer Sojus-Rakete
verglühte auf der Linie Saarbrücken, Würzburg, Mannheim bis nach
Prag. Schade aber auch, schon wieder nix.
Die Unwörter und Wörter des Jahres 2011 waren etwas erhellender. Unwort des Jahres wurde »Döner-Morde«, gleich gefolgt von »Gutmensch«, das besonders in
Internetforen in hämischer Weise aufgegriffen wird, um Andersdenkende pauschal und ohne Ansehen ihrer Argumente zu diffamieren und als naiv abzuqualifizieren. Die »Marktkonforme Demokratie« verdanken wir Angela Merkel, die
mitteilte, dass Wege zu finden seien »wie die parlamentarische Mitbestimmung so gestaltet wird, dass sie trotzdem auch marktkonform ist.« Diese Worte stehen für eine bedenkliche Entwicklung der politischen Kultur, wie sie Frau
Merkel betreibt. In der Liste Wort des Jahres 2011 kommen u.a. »Stresstest«, »Merkozy«, das »Ab jetzt wird geliefert« der FDP und »guttenbergen« als Synonym für abschreiben, abkupfern, plagiieren vor, das sich längst nicht mehr nur
auf das Vorgehen dieses Politikers bezieht.
Für dieses Jahr müsste unbedingt das Verb »wulffen« und der ganze Satz »Ich habe davon nichts gewusst.« vorgemerkt werden.
Doch immerhin hat es dieser völlig ahnungslose Herr Wulff vom locker finanzierten Einfamilienhaus in der Dorfidylle Burgwedel mitten ins Schloss Bellevue
geschafft. Obwohl ja dort eigentlich so ein galanter Adelssprössling wie zu Guttenberg hingehört.
Alles gehupft wie gesprungen, das politische Gehopse übt sich im Salto mortale. Nur auf unsere Bundeskanzlerin ist Verlass. Auch wenn Angela Merkel auf
globaler Bühne die Geschicke Europas zu lenken versucht, sie backt jeden Sonntag einen Kuchen. Sie selbst mag Kuchen nicht. Sie backt nur für ihren Ehemann, der (lt. »Stern«) auch ihr bester Berater ist. Das haben wir geahnt.
In Ägypten hat der Oberste Militärrat den 25. Januar zum offiziellen Feiertag (Jahrestag der Revolution) erklärt. Die Gewalt gegenüber Frauen, die während
einer Demonstration in Kairo von Soldaten auf offener Straße weitgehend entkleidet, gedemütigt und später auf ihre Jungfräulichkeit gynäkologisch untersucht
wurden, wird nicht erwähnt. Eine lauthals angekündigte Strafverfolgung der Täter lässt auf sich warten. Nicht zum ersten Mal in der Geschichte sind
Frauen die Verliererinnen einer politischen Revolution. Frauenrechte Null. Die Freiheits- und Gerechtigkeitspartei der siegreichen Muslimbrüder lässt keinen
Zweifel daran, wer die Krone der Schöpfung ist und bleibt. Dafür haben sie gesorgt: Von Frauen auf den Wahllisten für das neue Parlament droht keine Gefahr.
Aufgrund der Listenplatzierung wird es kaum eine in das Parlament schaffen.
2012 was wird das – ein Schalk- oder ein Schaltjahr? Das letztere steht schon fest. Ein Jahr der Brückentage tut sich vor uns auf. Die Feiertage liegen so günstig
wie lange nicht mehr. Wer richtig plant und keinen Fehler macht, kann die gesetzlich zugestandenen Urlaubstage geradezu verdoppeln.
In diesem Sinne – macht keine Fehler und lasst Euch niemals mit der BILD-Zeitung
ein. Ihr habt gesehen, was passiert: Erst per Du und dann perdu.
Herzlichst – die blattgold-Redaktion
- am
Die nächste Ausgabe (02.12) erscheint Ende Februar 2012
Der Redaktionsschluss ist: Mittwoch, 08. Februar 2012
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